Am Montag abend wollte Herrchen wissen, wie es mir nach der Operation geht - ob ich alles gut überstanden habe und rief auf der Chirurgie Kleintiere an. Dann die niederschmetternde Aussage, daß ich nicht operiert wurde, weil die Geldfrage noch nicht geklärt ist. Morgen wolle man mit dem Chef der Einrichtung darüber sprechen.

Herrchen war am Boden - da gibt es sein Leben - er, der immer und stets für die Menschen und ihre Probleme da ist, der niemals auch manchmal jahrelang dauernde Recherchen mit Geld verknüpfte, der einfach hilft wenn er kann; dann die eigenen Unfälle, seit 1285 Tagen durchgehend wegen seiner Reportagen verklagt und in unterschiedlichen Gerichtsprozessen stehend (1, 2) - all die auch psychisch belastenden Recherchefälle, zwei gescheiterte Ehen, Alleinerzieher …

Ich war es, den er sich an seine Seite nahm, der ihm das gab und gibt was ein Mensch so dringend braucht, weil es ihm versagt blieb - Zuneigung, ja auch Liebe - ich bin seine Stütze ob Sie das nachvollziehen können weiß ich nicht. Ich weiß, wenn es ihm nicht gut geht, er spricht nicht sehr viel - bei mir braucht er das auch gar nicht - ich spüre es - das ist eine meiner wahren Stärken. So wie er mich braucht, so brauche auch ich ihn. Ich war als Welpe ausgesetzt worden und er hat mich aus dem Heim geholt. Er bezeichnet mich als einzige Konstante in seinem Leben. Und diese Beziehung, dieses gegenseitig füreinander da sein, hat sich durch den Auszug von Frauchen im August des vergangenen Jahres verstärkt. Ich war es, den er sich an seine Seite nahm um einen seelischen Ausgleich zu all den auch teilweise schrecklichen Arbeitsinhalten zu haben. “Schrecklich”, als schrecklich bezeichne ich Sachverhalte bei denen Menschen, unwürdig, unmenschlich, ausbeuterisch, erniedrigend bis hin zu diskriminierend behandelt werden.
300.- Euro Anzahlung fehlten damit ich endlich operiert werde, um wieder nach Hause zu kommen. Haben Sie eine Vorstellung davon wie ich mich seit nunmehr Samstag ohne meine Familie fühle, wenn ich es schon nicht ertragen kann, für 10 Minuten vor dem Supermarkt zu warten und mir dort schon die Seele aus dem Leib heule? Aus dieser Not tat Herrchen etwas, was er Jahrzehnte nicht machte - er rief seinen Senior an. Niemals hatte er ihn um etwas gebeten, selbst dann nicht, als er selbst vor einigen Jahren im Ausland lebend, Geld für eine eigene Operation benötigte. Es dauerte fast ein Jahr bis er das Geld für sich auf die Seite gelegt hatte. Es war für ihn eine Überwindung, aber die Bitte galt nicht für ihn selbst, sondern mir. Es scheiterte der Versuch - und die Verzweiflung war unermeßlich.


Was Herrchen diese Stunden durchmachte, diese Verzweiflung die von Tränen begleitet waren endete in folgender SMS, die er seinen beiden mittlerweile erwachsenen Kindern schickte. Ich führe diesen Text hier in Originalabschrift an, weil es die Situation vielleicht fühlbarer macht:

“Das ist ein hilferuf: ich habe soeben im tierspital nachgefragt wie es Josh nach der operation geht - es wurde mit mitgeteilt, daß er heute nicht operiert wurde weil die geldsache nicht geklärt ist. Fassungslos darüber habe ich das erste mal meinen vater angerufen um mir die offenen 200 für die anzahlung auszuborgen. 100 habe ich bereits von der nächsten miete weggenommen und bei der einlieferung bezahlt. Damit Josh endlich operiert werden kann bitte ich euch von ganzen herzen - wenn ihr irgendwie könnt helft mit - ich brauche ihn - er muß nach hause. Ich stelle bei ebay wohltätigkeitsauktionen ein - aber es dauert tage bis die abgelaufen sind”

Während Herrchen auf die Antwort wartete, telephonierte er nochmals mit der Tierklinik um den genauen Betrag der notwendig wäre zu erfragen. Aus 200.- Euro wurden unerwartet 300,- Euro. Das eigene Fleisch und Blut weis um die Bedeutung der Beziehung von mir und Herrchen und auch eine Bekannte von uns beiden borgte 50.- Euro. Die Klinik wurde in der Nacht verständigt, daß der restliche Betrag nun bereit stünde und die Operation nun morgen vorgenommen werden kann. Die Antwort knapp, daß für morgen, Dienstag der Terminplan schon voll wäre, vielleicht am Mittwoch - aber zuerst müsse das Geld gebracht werden. Der Einwand, daß jeder Tag für mich vorwiegend aus seelischen Gründen qualvoll ist und zusätzlich der komplizierte Splitterbruch doch behandelt werden sollte - verblassend angesichts des Aspektes GELD.

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Eine Antwort zu “Der unvergeßliche Montag Abend – Verzweiflung und ein Hilferuf”
  1. [...] mein Leben hier zu Ende gehen, doch niemals werde ich vergessen, wie die Kinder meines Herrchens geholfen haben, daß ich durch die Operation von meinen Leiden erlöst wurde und es einen Tierarzt [...]

  2.  
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